Rasieren ist unmännlich, findet unser Autor.

Frauen, findet euch damit ab - echte Männer tragen Bärte!

Richtige Kerle tragen Bart, sagt Carlos Spiceyweener. Warum das historisch belegt ist und warum Frauen sich damit abfinden sollten, erklärt er hier.

Schafften es einzelne Männer, ganze Bartformen praktisch unmöglich zu machen - der Hitlerbart war ab 1945 äußerst unbeliebt - hieß es in der Nachkriegswelt: Ein ordentliches Mitglied der Nachkriegsgesellschaft rasiert sich. Es passte zur allgemeinen Spießigkeit, dass Mann allerhöchstens einen kecken Schnäuzer trug. Alles andere blieb Exzentrikern wie Salvador Dalí vorbehalten.

Nach den miefigen 50er und 60er Jahren war es den Hippies zu verdanken, dass Bart wieder etwas mehr Mode wurde. Eine Entwicklung, die ich persönlich sehr begrüße. Die 68er trugen hüben wie drüben wild wuchernde Gesichtstrophäen, und insbesondere die 70er Jahre entwickelten sich zu einem Bart- und Kotlettenwunderland. Doch trotz der sexy Gesichtsrevolution blieb der Teil der Gesellschaft, der sich nicht als alternativ verstand, bartlos.

In Deutschland gewann der Bart etwas Umstürzlerisches. Der durchschnittliche Deutsche verortete Bärte entweder bei Kommunisten und RAF-Terroristen oder, etwas später, bei Schwulen und Pornodarstellern. Gerade, als die sexuelle Revolution die stocksteifen Schlafzimmer erreichte, geriet der Bart in einen zwielichtigen Muff, aus dem er lange nicht mehr herauskam. Warum der Bart gerade in der Pornoszene der 80er Jahre eine solche Beliebtheit erfahren hat, ist selbst mir rätselhaft. Porno-Freunde aber wissen, dass es beinahe unmöglich ist, einen Rammelfilm aus dieser Zeit zu finden, in dem nicht mindestens 50 Prozent der Belegschaft einen ausladenden Schnauzbart ihr Eigenen nannten. Es muss wohl auch diese Zeit gewesen sein, in der sich der wenig schmeichelhafte Begriff „Schenkelbürste“ etablierte.

In die barthaarige Katastrophe schlitterten wir allerdings erst gegen Anfang der 90er. Was sich dort in den Gesichtern der Männer abspielte, ist noch äußerst wohlwollend mit „bedrückend“ beschrieben. Eine ganze Generation von Fußballern, Polizisten und Soldaten verzierten ihre Antlitze mit den verschiedensten Arten von Oberlippenbärten. Es war ganz und gar nicht schön. Kein Wunder also, dass der Bart in der Folge verpönt war. Das Äußerste der Gefühle war ein rebellischer Drei-Tage-Bart, der gegen Ende der 90er zur Standardausstattung männlicher Models wurde. Mehr ging nicht. Deutschland war quasi bartbefreite Zone.

Bis, ja, bis die Hipster kamen. Auch wenn von dieser Café-Latte-schlürfenden, Röhrenjeans-tragenden, Macbook-verliebten Spezies selten etwas Gutes kam, ist es ihnen zu verdanken, dass der Bart - und insbesondere der Vollbart - aus der Versenkung hervorgeholt wurde. Der Bart ist plötzlich wieder in. Nicht nur bei alten Menschen, ganz im Gegenteil: Gerade junge Männer lassen wachsen, was der Bartwuchs hergibt.

Ein Trend, der für alle bartliebenden Männer zu unserer ganz eigenen, kleinen Gesichtsemanzipation führte.

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